60. Bedauern und sich selbst vergeben

Den Ort des „Ja“ finden, die Tür öffnen und Dankbarkeit

Mit 30 Jahren beschäftigt Phyllis Furumoto eine brennende Frage. Ihre Mutter und Herausforderin Alice Takata Furumoto veranlasst Phyllis, mit Hawayo Takata zu reisen. Die lebenslange Reise der Reiki-Meisterschaft beginnt. Es dauert zehn Jahre inneren Ringens, bis sie den „Ort des Ja“ erreicht.

‚Ich kann dieses Leben nicht als Familienpflicht führen. Ich muss es als mein eigenes Leben führen … Entscheidungen mussten meine eigenen Entscheidungen sein.‘

Schon 1983 wird erwogen, Reiki als Marke zu schützen. In den 1990er-Jahren, während Phyllis ihren Markenrechtsstreit führt, erkennt sie die Vorteile einer Branchenmarke. Sie bedauert, dass es inzwischen zu spät ist.

1988 gelingt es Phyllis bei einer Rede in Deutschland nicht, das Missverständnis auszuräumen, sie behaupte, „die Einzige mit der Macht zu sein, Meister einzuweihen“. Sie erkennt an, dass andere Meister einweihen können und sollen. Die Gemeinschaft war zu gross geworden, als dass Phyllis die einzige Einweihende bleiben konnte.

Es geht nicht darum, Macht wegzugeben. Ich hatte nichts wegzugeben. Es geht darum, heilige Werkzeuge zu teilen, damit ein würdiger Schüler den Weg der Meisterschaft betreten kann.

Phyllis entfremdet und enttäuscht Menschen, die ihr nahestehen. Reife Meister, die bereit gewesen wären einzuweihen, weigerten sich. Junge Emporkömmlinge zögerten nicht.

Ich öffnete die Büchse der Pandora. Ich wünschte, ich hätte nicht den Vorschlaghammer, sondern vielleicht den Schlüssel benutzt.

Joop Hilger hatte die Marke auf seinen Namen eingetragen. Gemeinsam mit The Reiki Alliance fordert Phyllis ihr Recht zurück und einigt sich aussergerichtlich mit Hilger. In dieser schweren Krise nimmt sie sich keine Zeit, ihre Trauer darüber zu verarbeiten, dass Joop sie nicht einbezog, oder darüber, dass sie seinen Ruf nicht hören konnte. Zudem fühlt sie sich von der deutschen Gemeinschaft im Stich gelassen.

Phyllis bittet The Reiki Alliance, ein Verband lizenzierter Meister zu werden. Sie lehnt ab. Phyllis erkennt, dass sie für andere einen Kampf geführt hat, den diese gar nicht wollten. Zwischen ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbst als Trägerin der Linie aufgerieben, fühlt sie sich ohne Unterstützung und allein. Sie gibt alle Lizenzierungsbemühungen auf. Manche verlassen Reiki enttäuscht, andere stellen Phyllis’ Absichten infrage. Ihr Schmerz ist bis heute spürbar.

Wenn ich in meiner Zeit als Grossmeisterin etwas bedauere, dann dies. Ich habe Joop nie persönlich getroffen. Das hätte ich tun sollen. … Das ist wirklich traurig.

Heute, fast 20 Jahre später, hat Phyllis Abstand gewonnen und sich selbst vergeben. Die Traurigkeit bleibt, doch darüber zu sprechen hilft und eröffnet eine neue Perspektive:

Ich weiss nicht einmal, wem ich heute schreiben sollte, um zu sagen: ‚Danke für alles, was ihr getan habt, um mich, eure örtlichen Gemeinschaften und die Vision von Reiki zu unterstützen.‘